Geschichte des Consortspiels

Das Consortspiel gehörte zu den zentralen Musikpraktiken der Renaissance. So sprach man z.B. in England vom whole consort (bei unterschiedlichen Größen der gleichen Instrumentengruppe) und vom broken consort (bei einem Ensemble von Instrumenten aus verschiedenen Familien). Letzteres meint Michael Praetorius, wenn er im Syntagma musicum III schreibt:

„ … die Engelländer nennens gar apposite a consortio ein Consort, Wenn etliche Personen mit allerley Instrumenten, … zusammen in einer compagny vnnd Gesellschafft gar still, sanfft und lieblich accordiren , und in anmutiger Symphonia mit einander zusammen stimmen … “

Das Zusammenspiel größerer Blockflötengruppen ist spätestens seit dem frühen 16. Jahrhundert belegt. Die erste gedruckte Sammlung, welche die Ausführung auf Blockflöten angab, war Vingt et sept chansons a quatre parties desquelles les plus convenable a la fleuste dallemant … et la fleuste a neuf trous von Pierre Attaignant, Paris 1533. Sie enthält 14 vierstimmige Chansons, die ausdrücklich für Blockflöten komponiert sind.

Frontispiz der Sammlung von Pierre Attaignant, 1533

In zahlreichen Ländern Europas – in Frankreich und England ebenso wie in Deutschland, Böhmen, Litauen, Spanien, Italien und anderen – führen die Inventarlisten königlicher und adeliger Haushalte im All­ge­mei­nen eine große Anzahl von Blasinstrumenten auf, die meist als Consort von den dazugehörigen Musikern gespielt wurden. Berühmt wurde eine Gruppe von fünf Blockflötisten, Brüder der Familie Bassano mit Familienzweigen in Venedig sowie in Bassano del Grappa, welche von Henry VIII. im Jahre 1539/40 an seinen Hof „importiert“ wurden. Sie arbeiteten dort zudem als Komponisten und Instru­mentenbauer. Dieses Blockflötenconsort, 1550 auf sechs Spieler erweitert, blieb am englischen Hof bis 1630 erhalten.

Eine Inventarliste von Henry VIII. aus dem Jahr 1547 weist 76 (!) Blockflöten auf, darunter sicherlich zahlreiche von den Bassano-Brüdern gefertigte Instrumente. Zu den wichtigen Blockflötenbauern (bzw. ganzen „Dynastien“) zählen weiterhin Salombron (wahrscheinlich Venedig), Rauch von Schrattenbach (Memmingen), Schnitzer (Meran), Kynseker (Nürnberg), Rafi (Lyon). Orte, in denen reges Blockflötenspiel belegt ist, waren u.a. Innsbruck (Schloss Ambras), Brixen, Trento, Verona (Accademia Filarmonica) sowie Padova (Castel Cataio).

Girolamo Romanino: Quartetto di flauti (Detail), Loggia; Castello del Buonconsiglio, Trento

Unter den erhaltenen originalen Renaissanceinstrumenten (knapp 200 Stück) sind auffällig viele tiefe Instrumente, d.h. vom Tenorinstrument abwärts. Bis ins frühe 17. Jahrhundert wuchs die Zahl der unterschiedlichen Blockflötentypen. Im Syntagma Musicum von 1618/19 führt Michael Praetorius bereits Blockflöten in acht Größen auf und merkt an, dass ein großes Consort aus nicht weniger als 21 Instrumenten bestand.

Michael Praetorius:
Syntagma Musicum III,
De Organographia, 1619


Informationen zur Thematik u.a. aus:
David Lasocki: „Zur Geschichte des Blockflöten-Ensembles; ein historischer Abriss“,
u.a. in: Bart Spanhove: „Das Einmaleins des Ensemblespiels“; Edition Moeck 4065